Kategorie: wort

rettung der welt

rettungHarald Welzer stellt einen nachweihnachtlichen 10-Punkte Plan zur Weltrettung in der FAZ auf: Was Sie sofort tun können..

Unweigerlich freut man sich in diesem Kontext auf den Reiter: Lesermeinung und man wird belohnt. Die ganze nichtgerettete Welt blättert sich in ihren feinen und tiefen Rissen auf. Das stammtischhaft Triviale des Ausgangstextes ist wie ein Türöffner in die Welt der eigenen Beschränkungen und Verzweifelungen. Dabei werden die sozialen Gruppen formiert und normiert. Das heisst es zum Beispiel: “Wer, wenn nicht wir FAZ-Leser” oder in einem Dialog, der in dieser Deutlichkeit wohl nur selten irgendwo zu lesen ist:

Aussage Person 1: “Seit fünf Jahren beziehe ich jetzt Hartz IV (800,- Euro) [...] Allen Anderen wünsche ich natürlich weiterhin viel Spaß bei der sinnentleerten Maloche.”

Replik Person 2: “Sinnentleert ist die “Maloche” vor allem dadurch, dass man in Deutschland jedes Jahr monatelang nur dafür arbeitet, damit Sie ihre € 800.– für’s Rumgammeln bekommen.”

Und wenn man sich dann durch die Kommentare durchgearbeitet hat, dann liest man den Text nochmal und dann schüttelt es an und in einem und dann empfindet man fast alles darin als falsch und verlogen, aber auch als berührend hilflos…

zwischenruf II

Ohne Titel (Varieté Chinois). 2013
Ohne Titel (Varieté Chinois). 2013

“Am Ende bleibe ich der Prolet, der ich immer war. Der Prolet mit der Sehnsucht ziellos um sich zu schlagen.”

o kunstverein, where art thou?

5611_1_OK_CoverHerausgeben von Beate Anspach und Florian Waldvogel

Mit Beiträgen von Beate Anspach, Armin Chodzinski, Max Hollein, Swantje Karich, Tom Kummer, Beatrix Ruf, Tom Stromberg, Florian Waldvogel und Matthias Weber
Gestaltet von Christoph Steinegger / Interkool

Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2013
Erscheint bei Distanz
ISBN 978-3-95476-041-1

 

“Kannst Du Dir das bitte mal vorstellen! Da stehst Du in den Trümmern der gebrochenen, inkonsistenten Biografien. Eine Aneinanderreihung von Frakturen. So viele. So viele Frakturen, dass nur, nur …, ja, nur noch Fraktale übrig bleiben! Nein, das war ein Witz. Du bestehst nicht aus verkleinerten Kopien Deiner selbst, nein, wirklich nicht. Das Selbst? Was soll das denn sein? Aber dennoch: Es kann nicht zu viel verlangt sein, über einen Standort nachzudenken. Ein Ort mit Mauern, weißt Du? Genau, etwas zum Gegenlaufen! Ob dann da an diesem Ort auch ein Raum entsteht, das ist nun wirklich eine andere Frage, eine Frage, um die es gehen kann, aber nicht muss! Vorerst wäre es schön – und ich sage das mit einigem Wohlwollen – wenn Du Dich in diesem Dämmerzustand mal nicht verfangen, sondern das vornehme Scheitern im Anfangen, nein, ja, also eher beim Anfangen, als das zelebrieren würdest, was es ist: Ein Zeichen für das Ende der Vorherrschaft. Das kann doch auch beruhigen, nichts mehr zu sagen zu haben …”

die sehnsucht mich in die welt zu tragen


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Sonntag, 20. Oktober 2013, 15-17 Uhr
Treffpunkt: Landungsbrücken, Brücke 10
Ende: IBA-Gelände Wilhelmsburg
Anmeldung bis zum 17. Oktober an offbeat@ensembleresonanz.com
Bitte wetterfeste Kleidung mitbringen.

heimatwaise

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Die Aufnahmen sind zumindest vorläufig beendet und der Schnitt hat begonnen. Alles ist auf Anfang für den Sound-Spaziergang durch Hafen und Wilhelmsburg auf den Spuren von Antonín Dvořák und der Sehnsucht nach der neuen Welt: Ein Soundtrack auf den Ohren, der Sie selbst zum Auswanderer macht, abgemischt mit den >>Appalachian Strings<< von Copland und John Adams’ >>Shakerloops<< erschließen wir – nach der Überfahrt per Barkasse –  die Elbinsel und uns selbst.
Premiere wird am 20. Oktober sein und Informationen dazu gibt es hier: INFO. Zum Mitdenken geht man hierhin und um sich zumindest auf den Sprecher zu freuen, schaut man hierhin: HIER

ein geschenk

Ab sofort ist die verlagslose Publikation “art in company / kunst und wirtschaft” mit Essays und Interviews zum Stimmenwirrwarr zwischen den Stühlen als kostenloser Download hier bereit gestellt. Mit: Roland Wagner Bezzola, Philipp Meier, Doris Rothauer, Ariane Berthoin Antal, Michael Auer, Martin Tröndle, Timothy Speed und Armin Chodzinski. Bitte! Es ist mir ein Vergnügen!

so.

19-08-2013Nachdem der Facebook-Account gelöscht wurde, soll der Blog und auch der Twitter-Account und anderes aktiver genutzt werden. Zwischen Realitätsverlust, Eitelkeitsmaschinerien, interessenloser Selbstdarstellung und der fortwährenden Produktion des eigenen Kundenprofiles gibt es  eine Reihe politische Gründe seinen Account zu kündigen. Der Anfang war bereits komplex und ist hier in einer Hörstück Skizze nachzuvollziehen! Vielleicht ist das Kündigen aber auch nur das zeitlich versetzte Resultat der Lecture “Zärtlicher Opportunismus“, die ich Anfang des Jahres im Kunstverein Hamburg im Rahmen der Social Media Days hielt:

“Die Anmeldung bei Facebook, ist das Betreten eines Raumes, der dem Phobiker die Hand reicht, die er in den physischen Räumen ausschlagen würde. Facebook ist ein geschützter Raum ohne dabei wirklich Schutz zu bieten: Facebook ist ein Dorf, eine Kneipe, ein Marktplatz – ein umzäunter Raum an dem man durch seine Anmeldung sichtbar verweilt, ohne dabei in den Strasse der differenzierten Auseinandersetzung zu geraten und ohne dabei seine eigentlichen Phobien körperlich erkennen zu müssen. Die verbindliche Unverbindlichkeit mit der es auf Facebook möglich ist zu handeln, ist ein Geschenk für diejenigen, die sich nicht wortlos am Tresen der Nachbarschaftskneipe sitzen lassen können. Die gibt es ja auch nicht mehr die Nachbarschaftskneipe, sie ist der Lounge gewichen oder dem Club gewichen und hat sich als erweitertes Wohnzimmer auf der Schwelle zwischen privat und öffentlich in der Theatralisierung der multiplen Identitäten aufgelöst. Der Besuch einer Lounge oder jeder anderen Form der zeitgeistigen Gaststätte ist für die ewig  jungbleibenden Wissensarbeiter genauso zum strategischen Arbeitsort verkommen, wie die gesamte 1. Welt an sich.
Ja, das ist jetzt alles ein wenig ungenau, aber während ich dies schreibe  – Sie müssen es leider wissen, sonst verstehen Sie die Ambivalenz des Ganzen nicht – schaue ich nach fast jedem Satz kurz auf meinen Facebook-Acoount: „scheiss zustände bei amazon. es ist eh mal zeit darauf hinzuweisen, dass es besser ist, in den buchladen zu gehen….“ und auf Twitter: „meine tochter (5) liebt das zeichnen mit hammer (und die nachbarn?)“.
Ich schreibe in der Kneipe – mitten in der Kneipe schreibe ich und kann in meiner ganzen Reizoffenheit die mich umgebenden Gespräche nicht ausblenden! Halt, Twitter ist keine Kneipe, Twitter ist etwas anderes, aber dazu später – vielleicht… wenn ich mich dann noch daran erinnern kann. Ich kann meine eigene Haltung zu den Thema sogar kurz recherchieren und darauf Bezug nehmen, wenn es für andere schon kaum eine Rolle spielt. Ein kurzes Like dokumentiert mein Vorhaben – manchmal. Und ich kann mich sehen, wie ich mich verfange – automatisiert mache ich ein Foto: Diese zusammengesunkene Körperlichkeit! Ein Wahnsinn!
Ich habe meine sozialen Medien für einen Moment geschlossen, um konzentrierter zu sein, einen Moment halte ich inne. Ich stehe nicht mehr am Ufer der reißenden Informationsströme mit der dauernden Sehnsucht hinein zu springen um mit zu schwimmen. Ich verweigere mich der Zärtlichkeit des Opportunismus in diesem Fluß zu schwimmen und ein Teil einer amorphen Teilöffentlichkeit zu sein, um mich in diesem Text denken zu lassen und dem Text eine Länge und eine Form zu geben, die quer zu dem Strom der öffentlichen Privat-Informationen liegt. Einen Moment lang ist alles ruhig und weiß….”

Fuck-off you dirty Fucker! oder Take-it-Sloe-Honey!

Das ist der Titel meines Beitrages für das Buch: Das Ende der Enthaltsamkeit, herausgegeben von Anselm Lenz und Alvaro Rodrigo Pina Otey, das gerade in der Edition Nautilus erschienen ist. In der Ankündigung heißt es:

In sieben mysteriösen Zirkeln und unter prophetischer Mitgift von 21 trinkfesten Autorinnen und Autoren fächert die Cocktailbar »Golem« am Hamburger Fischmarkt die Welt der Spirituosen mit Humor, kritischer Distanz, historischem Bewusstsein und heiterm Wahnsinn auf:
Roger Behrens schreibt über den kulturhistorischen Hintergrund von Alkohol, Thomas Ebermann fragt sich, was Herbert Marcuse über Hedonisten dächte, gäbe es sie denn tatsächlich wie behauptet im Golem, Tino Hanekamp berichtet vom Selbstversuch ohne Saufen, Heinz Strunk stellt Trinker gegen Abstinenzler (also Gut gegen Böse), Georg Seeßlen begeistert mit dem kurzen Theaterstück »Zwei Bier – Einakter«, der Philosoph Fahim Amir wagt sich in das bisher noch recht unerforschte spannungsreiche Themenfeld Tiere und Alkohol und so manches mehr, von Clemens Hell, Kerstin Stakemeier, Hermann L. Gremliza, Armin Chodzinski, Nis-Momme Stockmann, Dirk von Lowtzow, Oline Brandes, Dennis Poser, Philipp Meier von Rouden, Xenobia von Fortaille, Hans Stützer, Oliver Bulas und einigen anderen.

Neben Praktischem – wie 16 Rezepten für exquisite Cocktails, der Anleitung für die perfekte Hausbar und illustrierten Beispielen für die Eleganz der Dekadenz – geben die Herausgeber einen Einblick in die Geheimnisse der Selbstermächtigung (oder das, was sie dafür halten).

Who am I? Das Wir ist ein Anderes!

Who am I? Das Wir ist ein Anderes! ist eine Bekenntnis-Lecture. Letztlich eine Hochschwindigkeitspassage durch Verletzungen, Sozialisiationen, Unzurechnungsfähigkeiten und die Auflösungserscheinungen der Kunst in Zeiten der Creative-Cluster. Erstmals auf deutsch wird die Lecture an Druck und Vevre gewinnen, denn es schimpft sich nirgends so gut wie in der Muttersprache.
Es wird getanzt werden. Das Ganze im lachsfarbenen Zwei-Reiher mit Einstecktuch und bewusst gewählter Krawatte. Das Warm-Up macht Richard Sennet
1. Mrz 2013 – Kampnagel/Hamburg im Rahmen von Work in Progress Don’t miss it!

zärtlicher opportunismus

Eine Lecture-Show über Tweets, Posts und Likes zwischen gesellschaftlicher Sehnsucht, individueller Notwehr und therapeutischer Einsicht.
19. Februar 2013 / 19 Uhr / Der Kunstverein, seit 1817 / Hamburg
Dr. C erklärt in einer Lecture-Show sein Verhältnis zu Sozialen Medien und dessen Wahlverwandten, den Grundprinzipien der Bürgergesellschaft. Als Bastard zwischen den Disziplinen entwickelte er in den letzten Jahren eine tiefe Beziehung zu sozialen Netzwerken, die es ihm ermöglichten, allein im Gestern sitzen zu bleiben, ohne an diesem Umstand leidend zu Grunde gehen zu müssen. Die Art und Weise seiner Nutzung ist dabei völlig unklar und entzieht sich stündlich und minütlich gedachten und entwickelten Strategien, die er bildet, um so zu tun, als hätte er den Überblick. Die Offensichtlichkeit, mit der er sich in diesen Netzwerken verliert, mündet in diesen öffentlichen Bericht mit Musik, Beispielen, Bekenntnissen, Fahnen und unterschiedlichen Krawatten.

Veranstaltet von der AKRA GmbH im Rahmen der Social Media Week Hamburg. Im Anschluss: Umtrunk an die Bar des Kunstvereins im Foyer. Anmeldung

hörspiel des monats

Die SWR-Produktion “Pieta Piëch. Ein Dokumentarpassionsspiel” von Walter Filz ist im Januar 2013 Hörspiel des Monats der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste. Dies hat die unabhängige Jury Ende Januar entschieden. Das Gewinnerstück wurde im November 2012 bei den ARD Hörspieltagen unter Mitwirkung von Schauspielern, Mitgliedern des SWR Vokalensembles Stuttgart und dem Performer Armin Chodzinski in einer Live-Inszenierung uraufgeführt und war am 27. Januar in SWR2 zu hören. Autor und Regisseur Walter Filz beschreibt darin in sieben Stationen den Lebens- und Leidensweg des Porsche-Enkels und VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Karl Piëch. “Pieta Piëch” steht zum Herunterladen und Nachhören auf www.SWR2.de/hoerspiel.

pieta piech


Walter Filz ist ein vielfach ausgezeichneter Autor von Features und Hörspielen. Heute, 9.11.2012, wird bei den ARD-Hörspieltagen in Karlsruhe seine jüngste Arbeit mit dem Titel “Pieta Piëch” uraufgeführt in dessen Mittelpunkt der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch steht. info

09/11/2012 PIETA PIËCH. EIN DOKUMENTARPASSIONSSPIEL / 21.00 Ô Live-Hörspiel / ZKM_Medientheater, Karlsruhe (D)
Live auf der Bühne findet das Hörspiel Pieta Piëch von Walter Filz statt.VW -Aufsichtsratsvorsitzender und Porsche-Enkel Ferdinand Piëch gilt als mächtigster und einflußreichster Unternehmer Deutschlands. Unvergessen ist sein Anteil an der dramatischen Übernahmeschlacht um und gegen Porsche. Piëch gilt als eiskalter Machtmensch. Aber steckt hinter der grimmigen Fassade eventuell ein Schmer-
zensmann der deutschen Industrie? In sieben Stationen wird sein Passionsweg vielfältig bedacht, chorisch besungen, vielspurig befahren und neumalklug  von Armin Chodzinski begleitet.