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Was heisst hier Kunst? Carl Hegemann

Nicht das es an Material für diesen Blog gefehlt hätte. Nein. Zwischen der Dezemberausgabe von Brand Eins und dem aktuellen Kunstforum (die sich beide explizit mit Kunst und Wirtschaft beschäftigen) gäbe es genug zu berichten und zu kommentieren. Es war mir aber nicht klar was ein Beitrag sein könnte, der Präzise an den vorhergehenden anschliessen kann. Creative Society war das Stichwort. Nun war mir bei allem umherschauen aber ein Artikel entglitten, der die Diskussion um die es in dem Forschungsprojekt gehen kann auf eine besondere Weise zuspitzt. Der großartige Dramturg, Denker,… Carl Hegemann hat in der Zeitschrift Theater Heute bereits im Juni 2009 genau diesen Artikel veröffentlicht: Was heisst her Kunst? Die Kunst der Unwahrscheinlichkeit oder das Nichtkönnen können.
Dringend zur Lektüre und zur Kommentierung empfohlen!!!!

creativity – tom peters


An der Diskussion um Kreativität kommt man in der Auseinandersetzung mit Kunst und WIrtschaft kaum vorbei. Kreativität ist ein Produktionsfaktor heißt es und unweigerlich geht es dann damit auch um Wertschöpfung. Was die Begriffe aber bedeuten, wer sie wie für sich in Anspruch nimmt, hängt ausschließlich von der jeweiligen Perspektive ab und damit wird es schwer. Wenn jetzt der Eindruck enststeht, dass hier Tom Peters in seinem Vortrag zum Kronzeugen dieser Diskussion gemacht würde, so ist das falsch und richtig gleichzeitig. Ich mag einfach den Druck und die Klarheit mit der Peters hier spricht und eine Perspektive auf Kreativität verdeutlicht.

kategorie

Eine tragfähige Unterscheidung im Blick auf künstlerische Praxisformen in Unternehmen ist die Zeit oder besser die Dauer der jeweiligen Intervention. Wie in der klassischen Unternehmensberatung sind es unterschiedliche Vorgehensweisen und Haltungsmodelle, die sich in der Dauer ablesen lassen. So ist der Workshop, der Vortrag oder die kurzfristige Intervention immer darauf angelegt eine Perspektive zu verschieben oder Wissen zu transferieren. Die Kürze impliziert eine Funktion, ein Ziel, ein abgrenzbares und evaluierbares Ergebnis. Bei einer längerfristigen Intervention fokussiert sich automatisch der Prozess – auch auf einer nichtsprachlichen Ebene. Vorgehensweisen, Differenzen, Produktionsformen zeigen sich im Tätigsein, in der Praxis. Vielleicht können gerade in diesem Zusammenhang – über die Dauer einer Intervention – die Charakteristika oder die Projektionen auf Kunst produktiv werden und einen grundsätzlichen Unterschied zum Consulting mit Kreativmethoden markieren.

kreativität & kapital

rothauer1
Doris Rothauer: Kreativität & Kapital – Kunst und Wirtschaft im Umbruch ist vor allem desdhalb lesenswert, weil es den Leser schnell und in klarer und prägnanter Weise zum gegenwärtigen, gesellschaftspolitischen Diskussionsstand zm Thema Kreativwirtschaft führt. Die Beispiele sind einleuchtend, wenngleich auch manchmal etwas plakativ und leider erfüllt das Einführungskapitel mit dem großartigen Titel: Die Kreativvwirtschaft und das Ende der Kunst nicht ganz die Erwartungen. In jedem Fall merkt man dem Buch an, dass Doris Rothauer weiss wovon sie spricht, wenn sie von Kunst, kulturellen Praxis- und Produktionsformen spricht,

rollentausch


“Ein BWL-Student und ein Malerei-Student der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft tauschen für eine Woche die Rollen. In diesem Interview – nach dem Tausch – stellen sie ihre Erlebnisse, Eindrücke und eigene Veränderungen dar.”
Es scheint doch sehr klischeehaft und doch sagen die beiden Studierenden interessante Dinge, die für die Arbeit an dem Beziehungsfeld Kunst und Wirtschaft zentral sind. In allem steckt der Pragmatismus oder besser der Wunsch zu lernen, angefüllt mit Respekt vor dem Anderen. Und am Ende entsteht eine eigentümliche Asymetrie zwischen Künstler und BWLer, die vielleicht der Kern des Ganzen ist…

buero für transfer

buero fuer transfer
Auf der Homepage des Büro für Transfer aus Wien ist zu lesen: “TRANSFER steht für unsere Überzeugung, dass Kreativität im Übergang zur Wissensgesellschaft zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor wird. Indem wir kreatives Denken und Handeln vermitteln und beratend unterstützen, leisten wir einen Beitrag zur Verankerung von Kreativität in Wirtschaft und Gesellschaft.”
Das Büro scheint vor allem deshalb interessant, weil dort mit Doris Rothauer jemand tätig ist, die sich in zahlreichen Veröffentlichungen immer wieder der Kompetenz verdächtig gemacht hat. Die Kombination zwischen ernstzunehmenden Kunstengagement und ernstzunhemenden Veröffentlichungen (z.B.: Kreativität und Kapital – Kunst und Wirtschaft im Umbruch. Wien,2005) findet sich ja nicht all zu häufig.
Hier bedarf es noch einer genaueren Kontaktaufnahme, auf die ich mich bereits freue!

kunst und wirtschaft – brüche, verflechtungen, potenziale

Im Frühjahr 2009 fand an der Universität St. Gallen ein Seminar statt, das sich mit dem Verhältnis von Kunst und Wirtschaft auseinandersetzte. Die Hausarbeiten dieses Seminars nahmen unter anderem Bezug auf die Dokumentation des Projektes “Kunstprojekte für Unternehmen” der Reinigungsgesellschaft (siehe Blogeintrag 2009/03/16). Ziel war es jedes der durchgeführten Projekte aus der Perspektive einer bestimmten Lektüre und einer entwickelten Haltung zu bearbeiten.
Herausgekommen sind vielfältige Versuche mit dieser Aufgabe umzugehen: viele Interessante Gedanken und Ansätze sind auf unterschiedlichste formale und inhaltliche Art formuliert und gestaltet worden. Mit Einverständnis der Studierenden sollen hier ein paar Arbeiten bereitgestellt werden: gruppe-groys-dwsi, wenzel/druckerei, artotel/schrat, pitcher-vs-kohler, reinigungsgesellschaft. Danke dafür!!

responsible leaders need art!

Auf der Homepage der IEDC-Bled School of Management findet sich ein Film, der über die Verbindung von Kunst und Leadership erzählt. Interessant wird es vor allem dann, wenn Edgar Schein, die Kategorie des Schönen erwähnt und LEadership als ein Handwerk mit künstlerischen Anteilen bezeichnet.

kunst am arbeitsplatz

In der Frankfurter Rundschau vom 19. Juni erschien ein Interview mit dem Unternehmensberater Jan Teunen in dem er über die Wirkung vom Arbeitsplatz spricht und dabei auf den Begriff der Verantwortung bezug nimmt.
Ein durchaus lesenswerter Artikel: kunst-in-der-wirtschaft

kunst und wirtschaft – peter behrens, emil rathenau und der dm drogeriemarkt

diss Eine Aufarbeitung der historischen Perspektive. Was war wie im 19 Jhd zwischen und über oder unter Kunst und Wirtschaft? Das Buch ist der Versuch einer historischen Perspektive. Ein Versuch, aber eine Grundierung…vielleicht. Im Buchhandel bereits vergriffen, andernorts noch zu bekommen

produkt und vision

2005_doc_brellochsschrat
Ein großes Projekt zum Thema Kunst und Wirtschaft ist aus dem Jahr 2005. Unter der Leitung von Henrik Schrat und Mari Brellochs wurde eine Experiment, eine Fallstudie und ein Denken um das Verhältnis von Kunst und WIrtschaft voran getrieben, der Titel: PRODUKT UND VISION. Das Projekt ist in zwei Büchern und auf einer Webseite dokumentiert:

In den letzten Jahren sind in ganz Europa Institutionen entstanden, die sich Fragen im Themenkreis von Kunst und Wirtschaft widmen. Konferenzen und Forschungsprojekte setzen Schwerpunkte im Management kreativer Prozesse, in Innovationsforschung, Nachhaltigkeit und Ethik. Begriffe wie Unternehmens-kultur und kulturelle Verantwortung von Unternehmen gewinnen an Gewicht. Schlagworte wie Corporate Citizenship und Cultural Governance werden diskutiert. Bedingt durch die Verschiebung der Schwerpunkte – vom Herstellen greifbarer Güter hin zu nicht-materiellen Produkten wie Service und Informationsdienstleistung – wird im Postfordismus von einer Ästhetisierung der Wirtschaft gesprochen. Der Markt wird zunehmend als Ort sozialer und kultureller Ereignisse verstanden, die vom sozialen und kulturellen Verhalten der Kunden bestimmt werden. Unternehmen werden als Organisationen in diesem Sinne über ihre Mitarbeiterstruktur definiert. Diese kulturelle Determiniertheit wird als Gegenperspektive zur ökonomischen Bedingtheit der Kultur untersucht und als Cultural Turn bezeichnet.

art for company

Die Webseite artincompany.com meint eigentlich art for company und weist darauf auch beim ersten anklicken hin. In der ersten Forschungssitzung des Projektes aic wurde der Titel unseres Projektes diskutiert. aic/kuw bzw. Art in Company/Kunst und Wirtschaft. Es handelt sich hier eben gerade nicht um eine schlechte Übersetzung, sondern vielmehr zwei Aspekte innerhalb des Projektes: Was ist es mit der Kunst und der Wirtschaft? Was könnte es sein mit der Kunst in der Wirtschaft?
Die Homepage artincompany.com zeigt ein Beispiel von Kunst in der Wirtschaft. Wie groß das Spannungsfeld ist, in dem sich unser Projekt bewegt ist deutlich!

art&economy

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Das Verhältnis von Kunst und Ökonomie ist immer auch begleitet und geprägt von einem kritischen Diskurs. Dieser kritische Diskurs gestaltet sich nicht nur entlang der Begriffe Autonomie und Vereinnahmung, sondern viel stärker entlang der Frage nach Macht und gesellschaftlicher Gestaltung. Kunst, die sich mit gesellschaftlichen Feldern auseinandersetzt ist meist eine Kunst mit politischem Anspruch, die die Frage nach Gestaltungsmacht, nach Lebensverhältnissen und -umständen stellt. Die Kritikerin Brigitte Werneburg schrieb aus dieser Perspektive eine interessante Rezension in der taz zur Ausstellung art&economy, die 2002 in Deichtorhallen in Hamburg stattfand und einen Katalog nach sich zog, der damals opulent als zukünftiges Standardwerk angekündigt, eher nicht den breiten Diskurs beförderte.

heinrich waentig

1909_waentig
1909 schreibt Heinrich Waentig das Buch “Wirtschaft und Kunst”. Wie gestaltet sich die Industriegesellschaft? Was ist die gute Form? Der Stil der Zeit? Anfang des 19. Jahrhunderts hatten William Morris und andere die Kunst aufgefordert von ihrem Throne zu den Mensch hinabzusteigen und sich den Anforderungen der Gesellschaft zu stellen. Hermann Muthesius hat diesen Diskurs nach Deutschland geholt und Heinrich Waentig, Ökonom und Sozialwissenschaftler, wie man vielleicht heute sagen würde, schreibt ein Buch, das auch heute noch aktuell oder interessant wäre, würde es denn neu aufgelegt und würde das Sprechen um Kunst und Wirtschaft auch ein historisches Sprechen sein.

was sehen manager?

Claus Noppeney ist auch ein Mitglied des Forschungsboards des Projektes aic. Vor nicht all zu langer Zeit führte er ein Projekt in Solitude durch, welches sich mit der Frage beschäftigte: Was sehen Manager?
Es ist im engeren Sinne vielleicht kein Projekt zum Thema Kunst und Wirtschaft, vereint dann aber doch unterschiedliche Vorgehensweisen, die in diesem Bereich interessant sind. In dem Einführungsfilm auf der Homepage wird ein atmosphärisches Bild eines besonderen Forschungszugangs gezeigt. Eine Exploration im Rahmen des Programmes art/science/business der Akademie Schloss Solitude

building an art economy

Das Thema Kunst und Wirtschaft ist ein Thema das – zumindest nach meiner Meinung – eng mit dem Wechsel der Produktionsmittel, dem gesellschaftlichen Wandel verknüpft ist. In Detroit liess sich dieser Wandel bereits früh in aller Deutlichkeit nachvollziehen.
In den alten Fabriken der Autoindustrie versuchen Künstler und Kulturschaffende den Wandel: Den Aufbau einer Kunst-Ökonomie!

künstlerische interventionen und inventionen

Ebenfalls Mitglied des Forschungsboards des aic ist Ariane Berthoin Antal. Neben unzähligen sozialwissenschaftlichen Aktivitäten rund um das Wissenschafts Zentrum Berlin leitet sie ein Forschungsprojekt, das sich mit künstlerischen Interventionen befasst.
in diesem Projekt geht es auch um wirtschaftliche Wertschöpfung, die in der Intervention erhofft, vermutet oder gesehen wird und sich manchmal auch wirklich zeigt. Auf der Homepage heisst es: “Künstlerische Darstellungsformen lassen nicht nur Rückschlüsse auf die Gesellschaft zu, aus der sie hervorgehen, sie wirken auch aktiv in die Gesellschaft hinein. Entsprechend hinterlässt Kunst ihre Spuren auch in ökonomischen Zusammenhängen.
Im Rahmen des Abteilungsprogramms stehen die künstlerischen Quellen von Neuheit in zweierlei Weise im Zentrum des Forschungsinteresses: Ein Projekt untersucht, wie sich künstlerische Interventionen auf Organisationen auswirken. Das zweite Projekt beleuchtet die Wechselwirkungen zwischen künstlerischen Inventionen und wirtschaftlicher Wertschöpfung.”
Ein Blick auf die Seite lohnt sich immer wieder!

dieter specht: picchio

Der Unternehmer Dieter Specht, der Gründer der Interroll AG aus dem Tessin, ist Künstler. In dem Filmbericht zu einer Ausstellung in New Yorker schildert er seine Perspektive auf das Verhältnis von Kunst und Wirtschaft. Bei aller Schlichtheit, die das aus der Perspektive der Kunst hat, ist es hoch interessant mit welchem Selbstverständnis Dieter Specht sich und seine Arbeit vorstellt.
Bei aller Skepsis ist sein Konzept von Kunst und Wirtschaft deutlich weitereichender: Die Interroll Ag im Tessin verfügt über ein Corporate Art Programm, dass sich durchaus aus zeitgenössischen Auffassungen her speist, allerdings von einer unerwarteten Seite. An dieser Stelle wäre ich um Kommentierungen dankbar!!

artist placement group

artist placement group
Einer von vielen historischen Referenzpunkten für die Frage nach der gesellschaftlich Funktion von Kunst bildet die Artist Placement Group. Ziel der Künstlergruppe war die Positionierung von Künstlern in gesellschaftlichen Entscheidungsfeldern, in Politik und Wirtschaft.
Vor einigen Jahren führte eine Ausstellung in der TATE Gallery in London zu dem glücklichen Umstand, das die Tätigkeit der APG auf einer Webseite dokumentiert ist.
1977 war die Artist Placement Group auf der Documenta in Kassel eingeladen. Die Mitglieder dieses “most radical social experiments of the 1960s” (P. Beaumont) findet man teilweise auch heute noch in den Diskursen zwischen Kunst und gesellschaftlichen Handlungsfeldern wieder:
an Breakwell, Barbara Steveni, Nicholas Tresilian, John Latham and Hugh Davies.

Michael Hutter: Wertwechselstrom

In der wunderbaren Fundus Buchreihe, der gerade durch den Verlag Philo Fine Arts neues Leben eingehaucht wurde, ist gerade ein Buch erschienen. Man kann nur hoffen, das die Buchreihe ihrer Tardition treu bleibt, wenn sie das tut, dann ist das wohl ein großartiges Buch:
Michael Hutter hat ein neues Buch zum Thema Kunst Wirtschaft gemacht: Wertwechselstrom. In der Verlagsankündigung heisst es:
“Marktbeobachter geben sich mit oberflächlichen Korrespondenzen zwischen Kunstmärkten und anderen Wertpapiermärkten zufrieden, und Kulturbeobachter
verkürzen ihn auf die Klage über den Qualitätsverfall der Kunst in Zeiten eines
dominierenden Marktes. Aber wer ästhetische und ökonomische Theorie, Kunst und Wirtschaftsgeschichte getrennt betrachtet, verkennt die konstitutive Bedeutung dieses hutterZusammenhangs. Der Wirtschaftswissenschaftler Michael Hutter beschäftigt sich seit Langem mit der Interdependenz von Wirtschaft und Kunst. Dabei zeigt er an konkreten Beispielen, wie gerade die Unterschiede zwischen Kunst und Wirtschaft zur Ressource, zur gegenseitigen Quelle der Wertschöpfung werden können. Der Band versammelt Studien zum historischen Einfluss der Künste – der bildenden Kunst, der Literatur und der Musik – auf das wirtschaftliche Wachstum und Studien zur Kunstpolitik, Arbeitsorganisation, Kreativwirtschaft und Werttheorie. Komplettiert wird er durch zwei Einzelstudien zu Goethes Faust II und Prousts Recherche, an denen die Verwendung wirtschaftlicher Phänomene als literarisches Material gezeigt wird”

Freue mich auf die Lektüre.