GELD
Heute singe ich mal nicht den Mitsingschmusepogo Fickt-das-faschistische-Schweinestaat-Bullensystem, sondern heute singe ich: Ich bin intelligent und habe keine finanziellen Sorgen Max Goldt
Wenn man sich fragt, wo das Geld ist, also das Verschwinden von Geld beklagt oder einfach die Sehnsucht formuliert, dass man gerne mehr Geld hätte, als man zur Zeit hat, behauptet man in jedem Fall, dass es Geld gibt. Wie man es auch dreht und wendet, dass es Geld gibt scheint eine Tatsache und nicht anzweifelbar.
Ein Gang in den Zeitungskiosk, in den Supermarkt oder in die Kneipe macht es zu einer unumstößlichen Tatsache: Geld gibt es wirklich und die meiste Zeit versucht man es los zu werden oder dafür etwas zu bekommen.
Es ist die eigene Zeitung, die man vom Kiosk mitnimmt, wenn man der Person hinter dem Verkaufstresen abgezähltes oder unabgezähltes Geld gibt und diese daraufhin die Zeitung zur Mitnahme freigibt. Unter Umständen bekommt man sogar noch anderes Geld, kleineres im verzeichneten, numerischen Wert, aber nicht unbedingt weniger, im Gegenteil eher mehr in der Menge dazu.
Im Gegensatz zum theoretischeren oder präziseren Sprachgebrauch sprechen wir hierbei nicht von einem Tausch, sondern vielmehr von einem Kauf.
Die Zeitung könnte man auch ohne den Erwerb von irgendwelchen Eigentumsrechten lesen, man könnte sie im Laden durchblättern oder man könnte jemanden Fragen, der diese Zeitung besitzt, ob man leihweise darin lesen dürfe oder man bekäme sie geschenkt, was aber eine Ausnahme wäre und deshalb keine weitere Beachtung findet. Man könnte auch via Internet eine dieser modernen Onlineversionen rezipieren, wobei dabei wiederum die Frage zu klären wäre, wie man sich einen Internetzugang sichert? Diesen Zugang kann man sich nicht im Kiosk kaufen und in seltensten Fällen Internetcafes einmal ausgenommen gibt man Münzen oder Scheine, um ihn zu erhalten, sondern vielmehr müssen Einzugsgenehmigungen oder Daueraufträge ausgefüllt werden.
Die erworbenen Eigentumsrechte an einer Zeitung führen dazu, dass man den Ort, den Zeitpunkt, die Dauer und das Vorgehen bei der Lektüre bzw. der Nutzung selbst bestimmen kann. Abgesehen von Sachzwängen des Tages ist es möglich, die Zeitung an einem Ort der Wahl zu lesen, man kann interessante Stellen markieren, Artikel herausreißen, etwas darin einwickeln, und so weiter. Der Verwendungszweck ist individualisiert und es muss bei der Verwendung auf niemanden Rücksicht genommen werden, man könnte die Zeitung sogar kaufen, um sie ihrem Verwendungszweck zu entziehen: Man kann eine Zeitung kaufen, um sie ungelesen bleiben zu lassen, um die Druck- oder zumindest verkaufsfrische Form der Zeitung zu erhalten - als Erinnerung an einen bestimmten Tag.
Man kann die Zeitung auch ungelesen sammeln, um sich einen Vorrat an Informationen zu schaffen, auf den man nur zurückgreift, wenn man mal einen Informationsmangel an sich selbst oder anderen feststellt.
Die Zeitung hat einen festgelegten Preis, der sich aus den Kosten und einem angenommenen Wert ergibt. Ziel ist es den Wert möglichst weit über den Kosten anzusiedeln, damit man auch noch Gewinn machen kann.
Der Wert der definiert wurde, bezieht sich auf eine vorgesehene Nutzung, eine mutmaßliche Nutzung, die sich durchaus von der wirklichen Nutzung unterscheiden und also von dem subjektiven Wert abweichen kann. Kaufe ich die Zeitung, um damit die Wände zu tapezieren ist der vorgesehene Wert vielleicht zu hoch angesetzt, kaufe ich sie aus Erkenntnisinteresse, welches sogar Befriedigung findet, ist er vielleicht zu niedrig.
Es gibt da also so etwas wie Geld und das hat irgendeine Funktion und das Wort Wert spielt wohl eine Rolle und die Ortsfrage scheint auch nicht zu ignorieren zu sein.
Mit dem Thema Geld muss man sich auseinandersetzen, weil es Geld ja gibt (auch wenn man es nicht hat) und somit Relevanz behauptet:
Was ist Geld?
Es scheint, als ob selbst das nutzbarste Objekt, um als Geld zu funktionieren, auf seine Nützlichkeit verzichten müsste, sagt Georg Simmel in seiner Philosophie des Geldes, die 1900 erschienen ist und bis heute als eine der bedeutendsten Analysen des Geldes gilt. Wenn z.B. in Abessinien besonders zugeschnittene Stücke Steinsalz als Scheidemünze kursieren, so Simmel weiter, so sind sie doch eben Geld nur dadurch, dass man sie nicht als Salz gebraucht.
Auch heute verzichtet das nützliche Objekt, z.B. der Notizzettel auf seine Funktion, um Geld zu sein. Der Schluss, dass Dinge nur auf Ihren Gebrauchswert verzichten müssten, um Geld zu sein, ist allerdings so einfach nicht zu ziehen. Wenn z.B. Marcel Duchamp und nach ihm viele andere einen Gegenstand, bei Duchamp ein Pinkelbecken oder einen Flaschentrockner, seiner Funktion beraubt und in ein Museum stellt, dann wird er zu allererst Kunst. Erst später vielleicht oder bestimmt wird daraus indirekt oder direkt Geld. Das hat dann was mit der symbolischen Aufladung zu tun, mit dem kulturellen Kapital, welches der Gegenstand akkumuliert und gehört zum Themenkreis Wert, den ich nachher streifen, aber nicht ausführen werde, weil es ja auch jetzt schon in diesem Moment um den Wert geht, den Sie gerade im Bezug auf mich festlegen und sich so die Sache von selbst erklärt.
Außerdem entwickelt sich eventuell ein ästhetischer Wert, also Nützlichkeit, anders als gedacht, aber eben Nützlichkeit und dann hat das sowieso nichts mehr mit Geld zu tun.
Wenn ich zum Beispiel wie ich es gerne tue, weil es Mangelsituationen gibt, die weder zu ertragen, noch zu akzeptieren sind - 10 Pakete Espresso kaufe, um mich zu bevorraten, dann muss der Espresso auch auf seine Nützlichkeit verzichten, damit er Vorrat sein kann.
Er ist deshalb aber kein Geld, zumindest nicht in dem Sinne, wie wir es im Allgemein verstehen. Wichtig an diesem Beispiel ist, dass der Espresso erst dann Espresso wird, wenn er nicht mehr Vorrat ist. Ein einfacher Sachverhalt kompliziert ausgedrückt: Kaffee kann ich trinken, Vorrat kann ich besitzen.
Geld ist nach Simmel und so sagt es auch die Wirklichkeit ein eigentlich nützliches Ding, was im Gegensatz zum Vorrat - langfristig auf seine Nützlichkeit verzichtet. Simmel sagt: Dinge, die ihren praktischen, ästhetischen oder sonstigen Wert entfalten sind nicht mehr Geld. Alle Werte mag man untereinander vergleichen und sie nach dem Maße ihres Nutzbarkeitsquantums austauschen, um sich eben dieses zu eigen zu machen; allein das Geld tritt aus diese Reihe aus. Soweit zum Geld als materiellen Gegenstand.
Wenn hier gefragt wird, wo das Geld ist, dann geht es in der Frage schon um mehrere Dinge: zum einen darum zu beklagen, dass Einzelpersonen und Gruppen immer weniger Geld haben und darunter leiden, zum anderen aber auch darum, dass sich Geld zunehmend und mit hoher Geschwindigkeit entmaterialisiert. Geld wird zu einer realen Idee, die sich den Dingen, die auf ihren Gebrauchswert verzichten, um Geld zu sein, entledigt und sein Dasein lediglich behauptet. Geld intellektualisiert sich und wird Teil des Reiches der Ideen. Die Portemonnaies sind leer und die Bankkonten rot. Die betrachtete, schmerzvolle und ersehnte Geldmenge haben wir nicht in Händen, sondern auf Konten bzw. auf Kontoauszügen. Wir sehen unser Geld nicht mehr. Der Kontoauszug ist kein Geld. Er ist ein nützlicher Zettel, der uns von Geld erzählt.
Ich spreche von dem entmaterialisierten Geld und dabei ist es in der Betrachtung fast schon egal, ob wir welches haben oder nicht.
Geld ist ein Derivat seiner Tauschfunktion. Wo es nichts zu tauschen gibt, gibt es auch kein Geld.
Simmel schreibt: Man stelle sich einen Despoten vor mit einem totalen Verfügungsrecht, wie man es von Häuptlingen aus der Südsee sagt, die nicht stehlen können, weil ihnen von vorneherein alles gehört. Geld ist also Ausdruck und Mittel der Beziehung, des Aufeinanderangewiesenseins der Menschen, ihrer Relativität, die die Befriedigung der Wünsche des einen immer vom anderen wechselseitig abhängen lässt. Geld findet dort keinen Platz, wo gar keine Relativität stattfindet, sei es, weil man von den Menschen überhaupt nichts mehr begehrt, sei es, weil man in absoluter Höhe über ihnen also gleichsam in keiner Relation zu ihnen steht und die Befriedigung jedes Begehrens ohne Gegenleistung erlangen kann. (Simmel)
TAUSCHEN
Wenn ein Bauer einen Sack Kartoffeln zum Schuster trägt, besohlt dieser unter Umständen die Schuhe des Bauern. Man handelt untereinander aus, welche Dinge welchen Wert in Relation zueinander haben.
Unsere westeuropäische Erinnerung an das Tauschen ist an den 2.Weltkrieg bzw. die Zeit danach angebunden. Man hört die Legenden vom Schwarzmarktbesuch, auf dem man mit zwei Scherben kam und mit einer Stange Zigaretten ging. Durch geschicktes Verhandeln konnte man den Wert der Scherben in eine stabile Währung übersetzen: Zigaretten. Zigaretten als ein Luxusartikel wurden wiederum von einem Personenkreis nachgefragt, der seine existenziellen Bedürfnisse bereits befriedigt hatte und deshalb als wohlhabend gelten musste. Tauschen meint das In-Relation-stellen von unterschiedlichen Dingen. Werte werden im Vergleich zueinander definiert und diese Werte sind variabel. Zum einen verändert sich der Wert durch die vorhandene Menge: Wenn viele Kartoffeln geerntet wurden, ist ihr Wert in Relation zu anderen Dingen niedriger und umgekehrt.
Dies bestimmt auch heute zumindest oberflächlich betrachtet den Preis von Dingen und ist im Derivat Geld immer noch zu sehen. Zum anderen verändert sich der Wert aber auch durch eine Kompetenz. Tauschhandel rückt Kompetenz in den Vordergrund. Die Definition des Wertes ist ein Prozess: Zu was setze ich das eine in Relation zu dem anderen? Wie erzeuge ich ein Bedürfnis? Mit wem tausche ich was? Wie ist meine Verhandlungsstrategie? Wie überzeugend ist meine Rhetorik. Tausch hat also etwas mit Kompetenz zu tun und verknüpft sich mit Konkurrenz und das wiederum mit Ausschluss. Geld als ein abstrakter Wert reduziert in der Befriedigung der existenziellen Bedürfnisse den Kompetenzbedarf. Zehn Euro für ein Brot ist teuer, aber sind zehn Kilo Kartoffeln für ein Brot zuviel? Geld demokratisiert in gewisser Weise die Bewertung der Dinge und reduziert damit die Anforderungen an die individuellen Kompetenzen.
DAS IST DOCH THEORIE: EINE ANEINANDERREIHUNG VON WÖRTERN, DIE KEINER VERSTEHT: SINNLOSES GESCHWAFEL: BILDUNGSBÜRGERLICHER SCHEISSDRECK: WAS MACHT DAS GELD?: ICH WILL MEIN GELD ZURÜCK:
Nun gut: Sie sehen ich denke über meine Rolle als Vortragender durchaus nach und bin bereit mir selbst entscheidende Fehler schonungslos vorzuwerfen.
Lassen Sie mich allerdings den Gedankengang beenden, den ich ausführen wollte, bevor ich mich selber so unwirsch und unhöflich unterbrach. Ich werde dann meine Ausführungen konkreter weiterführen.
Eigentlich war ich ja selbst schon soweit zuzugeben, dass das mit dem Tauschen und der Kompetenz angesichts der kulturalisierten Ökonomie natürlich nicht vielmehr als eine Theorie ist. Waren werden über ihren symbolischen, kulturellen Wert verkauft und verkaufen ist die Kunst der Aufladung eines Gegenstandes mit Identität oder mit Sehnsucht oder mit Leistung oder mit was auch immer.
Im Prinzip könnte ich hier jetzt dieses ganze Gerede abbrechen und mich von Ihnen verabschieden.
Allerdings könnte ich die verbleibende Zeit auch dafür nutzen, dem Wunsch nach konkreten Geschichten und Funktionen von Geld nachzukommen: Anwendungsbeispiele von Geld, um den schalen Geschmack der Kapitulation vor der Theorie mit der Praxis zu übertünchen.
Im Management von Unternehmen hat Geld beizeiten eine Funktion, die oberflächlich nichts oder nur wenig mit Tauschhandel oder Sonstigem, bisher Besprochenem zutun hat. Geld kann dort zu einer Kategorie werden, die bestimmt, wie hoch die Ernstnahme und Akzeptanz innerhalb des Unternehmens ist. Existenzsicherung ist ab einem gewissen Zeitpunkt keine zentrale Funktion mehr.
Ein Jahresgehalt, das die eigene Existenz mehrfach zu sichern in der Lage ist, produziert einen anderen Fokus auf das Geld, braucht eine andere Relation zur Wertbestimmung.
Der Wert dieses Geldes an sich ist auf den Wert der Person bezogen, auf dessen Leistung, auf dessen soziale Position im Unternehmensgefüge. Gehaltsverhandlungen sind Verhandlungen, die den eigenen persönlichen Wert versuchen abbildbar zu machen.
Das Gehalt und damit der seitens des Unternehmens zugeschriebene Wert einer Person ist innerhalb von Unternehmen häufig nebulös positioniert: Irgendwo zwischen Geheimhaltung und Transparenz versucht man die Bezahlung zu einer Kategorie zu machen, die Hierarchien verunklärt bzw. neue andere Hierarchien schafft. Es braucht das Geheimnis.
Einige Unternehmen sind dazu übergegangen mit Gehaltsstufen anders umzugehen und Transparenz zur obersten Kategorie zu erheben. Wenn zum Beispiel die Manager ihr Gehalt selbst bestimmen dürfen, diese aber dann öffentlich ausgehängt werden. Hier wird das Individuum dazu gezwungen seinen Wert selbst zu bestimmen, sich gleichsam auf eine bewertbare Relation zu den anderen einzulassen.
Wenn ich vorhin davon sprach, dass Geld bzw. Wert immer nur in Relation zu etwas entsteht, so ist der Versuch MitarbeiterInnen dazu zu zwingen, ihren Wert selbst einzuschätzen, ein guter Trick, um Geld einzusparen. Hier greift die neoliberale Ideologie: Die Kategorien verwischen. Auf was bezieht sich jetzt der Wert? Zu was steht er in Relation? Liegt der individuellen Wertfestsetzung das Unternehmensergebnis zu Grunde, oder die eigene Positionierung in der Gesellschaft, oder das Verhältnis zu den Freunden? In der kulturalisierten Ökonomie braucht es nicht mehr nur den Mitarbeiter, der eine Leistung abgibt, seine Kompetenz im Sinne des Firmenzwecks anwendet, sondern vielmehr braucht es die Identität des Angestellten. Es braucht das Mitdenken, das Weiterentwicklen, das Flexible und all das. Wie soll ich also die Identität eines Mitarbeiters entlohnen? Wie soll den beurteilt werden, welche Menge meines Potentiales ich in die Erfüllung meiner Aufgaben stecke, wie stark meine Arbeit priorisiert ist gegenüber dem Privaten.
Neoliberalismus heißt ja letztlich nichts anderes, als das auch das Private zum Geschäftlichen wird bzw. werden soll, weil eben alles dem Ökonomischen untergeordnet wird, was wiederum gerne mit dem Privaten verwechselt wird, weil alle Leistung und Identität miteinander koppeln.
Es braucht ein System, das ein Gehaltsgefüge schaffen kann, welches den Wert in Relation zu allem und nicht nur zu dem Unternehmen und der Aufgabe setzt. Mitarbeiter also selbst ihren Lohn festlegen zu lassen, ist eine Möglichkeit, die brüchigen Wertmaßstäbe zu retten und das Individuum zur Identifikation zu zwingen, weil die Relation aus der sich der Wert ergibt, total geworden ist!
Deshalb ist heute ein wachsendes Einkommen auch keine Kategorie in der sich Karriere bewerten ließe. Das Unternehmen positioniert sich im gesellschaftlichen Feld und wenn das Geld reicht um die Existenz zu sichern, ist die Anhäufung von kulturellem Kapital für eine Karriere wichtiger als die Anhäufung von Geldmenge. Josef M. Ackermann, der Vorstandsvorsitzende der deutschen Bank, wollte zwischen erster und zweiter Anstellung Opernsänger werden, sagt das Managermagazin.
Wie bereits formuliert: Der Wertmaßstab für das Gehalt, das immaterielle Geld, das auf Konten überwiesen wird und Selbstverständnisse konstituiert, wechselt vom Unternehmen in die Gesellschaft.
Dies ist eine Konstruktion, die zwar funktioniert, aber nicht ernst gemeint ist, denn sonst müssten Gehälter radikal umverteilt werden.
Die These heißt: Wenn Sie sich schon mit ihrer Arbeit identifizieren und auch ihren sozialen Status im Privaten und Gesellschaftlichen daraus ableiten, dann brauchen Sie eigentlich ja auch nichts mehr verdienen.
Der Umkehrschluss daraus ist allerdings zu denken verboten. Denn der These zum Ende folgend müssten diejenigen, die sich nicht mit ihrer Arbeit identifizieren, sei es weil sie keinen Gestaltungsspielraum haben, sei es, weil sich sozial daraus keine Positionierung ableiten lässt, sehr viel mehr verdienen. Müllmänner und Putzfrauen um hier geschlechter-klischeehaft zu argumentieren machen eine gesellschaftlich hoch relevante Arbeit, haben aber wenig Chancen daraus soziale Positionen bzw. Wert abzuleiten. Ergo muss ihr Verdienst extrem hoch sein, damit ihr persönlicher Wert einen anerkannten Maßstab erhält. Die Relationen in denen sich der Wert bildet, sind nicht gerecht.
Von Geld und Wert geht Gewalt aus. Nehmen wir einmal eine Initiative, die sich als politisch agierend mit einen sozialen Anliegen begreift. Kurz eine Gruppe von Menschen, die aus Überzeugung oder Identität gemeinsam ein Ziel verfolgt und Leistungen erbringt. Die Klammer ihres Handelns ist die Überzeugung, die dazu führt, dass sie sich ohne vordergründig monetäre Interessen, selbst ausbeuten. Man dient einem Ziel und verfolgt selbiges.
Eine gute Möglichkeit solche Zusammenhänge nachhaltig und gewaltsam zu zerstören ist diese mit Geld, mit viel Geld zu versorgen.
Das Prinzip dieser Zerstörung wäre die Einführung eines anderen Wertes bzw. einer anderen Relation.
Die Leistung wird nicht mehr in Relation zum Ziel, sondern in Relation zum Geld gesetzt und so zerbricht die Klammer der Identität. Die Selbstlosigkeit oder der Egoismus Gutes zu tun, dessen Wert sich allein in sozialen Kategorien bemisst, wird gekoppelt an einen Wertmaßstab, der das Engagement vergleichbar macht. Diese monetären Vergleichbarkeiten sind Tretminen der sozialen Interaktion und in der Lage, jede Gruppe fundamental zu erschüttern.
Es können feste Stellen eingeführt werden und aus dem Engagement wird eine Arbeit. Es werden Hierarchien eingeführt, Zuständigkeiten und Leistung werden durch Geld bezahlbar, weil es ja eben mit einmal da ist - das Geld.
Und selbst wenn die Gruppe den Geldregen aushält, ist sie spätestens dann zerstört, wenn sich der Regen als ein Schauer herausstellt.
Die Tätigkeit wurde einmal in Relation zu Geld gesetzt und nun scheint es mit einmal unmöglich, sie ohne selbiges weiterzuführen, obwohl man doch auch vor dem Geld bereits Jahre gearbeitet hatte und darin der Grund lag warum das Geld überhaupt bekam. Die Relationen haben sich geändert.
Anschaulich gemacht: In der DDR waren motorbetriebene Rasenmäher nur schwer käuflich zu erwerben. Nun führte dieser Umstand dazu, dass man auf innovative Weise Rasenmäher immer wieder neu erfand. Motoren alter Wasch- oder Nähmaschinen, Küchemesser, Kinderwagenräder, etc. wurden so kombiniert, dass ein Rasenmäher entstand, der seinen Dienst tat.
(Die Hamburger Künstlerin Nana Petzet präsentierte hierzu auf der werkleitzbiennale realwork im Jahr 2000 eine schöne Sammlung)
Als nun die ersten Baumärkte im Osten behaupteten, dass man einen Rasenmäher jederzeit kaufen könnte, brach der Innovationsgeist bezüglich der Rasenmäher in sich zusammen. Was einst einen Wert hatte, der sich an verschiedene persönliche Kompetenzen anbinden konnte, galt nun als wertlos. Der selbsterfundene Rasenmäher ist eine Spinnerei, wenn ich jederzeit einen käuflich erwerben kann. Der Maßstab wurde fundamental verschoben.
Da mit der Käuflichkeit der Rasenmäher die Arbeitslosigkeit vieler einher ging und die Ausgabe von durchschnittlich 200 Euro für einen Rasenmäher Schwierigkeiten mit sich bringt, wenn man kein Geld hat, wuchsen die Rasen und wurden zu Wiesen.
Die Einführung des Geldes als Wertmaßstabes verunmöglicht den Wert der Innovation bzw. verbannt die Innovation in den Bereich Hobbys. Es ist dann zwar noch möglich kreative Windräder zu gestalten, aber einen nützlichen Rasenmäher? Kultur und Ästhetik darf sich entfalten, da verhält es sich mit dem Wert etwas anders, aber diese Ausführungen erspare ich Ihnen .
Geld im Gehaltsbeispiel klang es zwischen den Zeilen an und auch schon im ersten Teil des kleinen Vortrages sprach ich darüber verliert in seiner Gänze die Materialität und fokussiert damit eine weitere Funktion, die der Kontrolle. Wenn wir mit den Plastikkarten bezahlen, die immerhin noch beim Eiskratzen oder beim Öffnen von Türen ihre Nützlichkeit behaupten, zieht man eine Spur nach sich, die kontrollierbar ist.
Wo habe ich wann etwas gekauft? Dies lässt sich bei der Nutzung der Plastikkarte einfach nachvollziehen. Auch das Materialisieren des Geldes beim Besuch des Geldautomaten gibt Aufschluss über den eigenen Standort.
Es heißt, dass sich die Bedürfnisse der Kunden individualisieren genauso, wie es die Gesellschaft tut und die Marktforschung ist gezwungen, immer feinere Analysen durchzuführen Kundenkarten, EC-Karten, Kreditkarten etc. sind dabei Mittel der Erkenntnis. WalMart hält nach dem Pentagon die zweitgrößte Datenbank der Welt und kann dadurch für den amerikanischen Markt Angebotsmengen mit einer Toleranz von 1-2% planen. WalMart weiß also heute schon, was Sie in der nächsten Woche kaufen werden.
Ich flechte dieses Beispiel nur ein, weil es so eine greifbare Relation entwickelt. Über die Immaterialisierung von Geld als eine Kontrollfunktion möchte ich hier nicht mehr sagen, außer vielleicht noch einmal mit einem theatralen Einschub den Inhalt, die Frage und die Antwort zusammenfassen:
BARGELD:BARGELD:BARGELD:BARGELD:BARGELD
In der Vorbereitung des heutigen Abends dachte ich darüber nach, wie man einen Vortrag gleichsam als Akt des Widerstandes halten könnte. GocreateResistance ist ja auch eine Aufforderung und dieser wollte ich als gewisserhafter Auftragnehmer auch nachkommen. Ich ging von der Kontrolle aus und wollte wie im Beispiel mit dem Zeitungskiosk Geld an eine freie Ortswahl koppeln. Sie erinnern: Eigentumsrechte an einer Zeitung ermöglichen die freie Ortswahl?
Nun, die Gage, die ich für diesen Abend erhalte und über die ich aus bekannten und erklärten Gründen weder Reden werde und mich auch weigere sie zu verbrennen, wird überwiesen und gibt der Bank Auskunft darüber, wo ich mich am Abend des 6. Dezember aufgehalten habe. Auf dem Überweisungsträger ist der Verwendungszweck erwähnt.
Es war nun meine Vorstellung einen Vortrag auf Video aufzuzeichnen, um damit einen Abend frei zu haben. Einen Abend lang meinen Ort frei wählen zu können und doch im System der unterschiedlichen Kontrollinstrumentarien verortet zu sein. Das Theater und dieser Vortrag als Alibi für etwas anderes. Das Video mit meinem Vortrag hätte ich zu einem unbeobachteten Zeitpunkt aufnehmen können, an einem unbekannten Ort, zu unbekannter Zeit. Ein Schauspieler sollte dann in den Dialog mit dem Video-Vortrag treten. Ich hätte im Vorfeld pausen gelassen, damit der Schauspieler vorgegebene Sätze sprechen kann. In etwa so wie ich mir vorhin selbst ins Wort fiel, so hätte dies ein Schauspieler mit meinem Video getan. Wir hätten über Kontrolle gestritten und darüber gesprochen wo ich mich denn nun aufhalte und was das alles mit Geld zu tun hat.
Aber über Kontrolle wissen sie ja bereits alles und vielleicht wäre es für sie enttäuschend gewesen, denn auch sie hätten sich die Frage stellen können, warum sie nun extra herkommen mussten, um das zu sehen. Ich hätte sie gezwungen hier zu sein, während ich mich in meiner gewonnen Freiheit suhle und das wäre doch nicht fair gewesen.
Die angestrebte Widerständigkeit hätte dann missverstanden werden können, sie hätten sich fühlen können, als wären sie diejenigen den ich widerstehen will.
Und so nutze ich das Video um mich zu multiplizieren und meinen Wert in Relation zu mir selbst zu stellen.
Mit einem Tanz gebe ich nun 3 Minuten Zeit mir einen Wert zuzuordnen bzw. Ihren Wert in Relation zu meinem zu setzen: